23/01/26

Tankercrew rettet Ruderer in schwerer See mitten auf dem Atlantik

Mitten auf dem Atlantik, mehr als 1.000 Seemeilen östlich von Puerto Rico, entscheidet sich in der Dunkelheit der Nacht das Schicksal eines Mannes – und einmal mehr zeigt sich, wie unverzichtbar Solidarität auf See ist. Die Crew des Tankers Horten rettete den 47-jährigen Solo-Ruderer Benoit Bourguet aus einer lebensbedrohlichen Lage, nachdem dessen Ruderboot gekentert war.
Rettung für Ruderer Atlantik. Foto: US Coast Guard

Der Belgier Bourguet war seit Dezember unterwegs. Er nahm als Einzelfahrer an der World’s Toughest Row teil – einem der härtesten Ruderwettbewerbe der Welt. Die Strecke führt über rund 3.000 Seemeilen von San Sebastián de La Gomera vor Spanien bis nach Nelson’s Dockyard auf Antigua. Während die schnellsten Teamboote das Ziel bereits erreicht hatten, lagen für die Solo-Ruderer noch Hunderte Meilen vor dem Bug. Bourguet hatte zu diesem Zeitpunkt noch etwa 950 Seemeilen vor sich.

Zwei Brecher, ein Notruf

In der Nacht trafen zwei sogenannte Rogue Waves das Boot City of Liverpool. Bei Seegang von 13 bis 15 Fuß kenterte das Ruderboot. Bourguet konnte sich in seine Rettungsinsel retten, die er mit seinem gekenterten Boot verbunden ließ. Rund 24 Stunden harrte er aus – erschöpft, aber am Leben.

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Gegen 2 Uhr morgens ging bei der Coast Guard Sector San Juan ein nicht registriertes EPIRB-Signal ein, kurz darauf folgte ein Alarm eines Personal Locator Beacons. Die Rennleitung konnte keinen Kontakt mehr zu Bourguet herstellen. Ein Hubschraubereinsatz war aufgrund der enormen Entfernung ausgeschlossen.

Die Coast Guard aktivierte daraufhin das AMVER-System, über das Handelsschiffe weltweit um Unterstützung gebeten werden können. Der liberianisch beflaggte Tanker Horten reagierte umgehend. Das Schiff änderte seinen Kurs, lief mehr als zwölf Stunden und legte rund 110 Seemeilen zusätzlich zurück, um die Position des Notsignals zu erreichen.

Solidarität auf See

Vor Ort sichtete die Crew eine Rettungsinsel. Bourguet lebte! Wegen des weiterhin rauen Seegangs war ein direktes Übersteigen unmöglich. Mit einem Rettungsring gelang es der Besatzung schließlich, den Ruderer sicher an Bord zu holen. Er war stark dehydriert, ansonsten aber in stabilem Zustand.

AIS-Daten zeigen, wie effizient die Rettung ablief: Der Tanker verlangsamte seine Fahrt nur für wenige Stunden, bevor er seine Reise fortsetzte.

„Die Teilnahme der Horten am AMVER-Programm war entscheidend“, sagte Einsatzkoordinator Lt. Kenneth Snyder. Das Vorgehen der Crew sei ein Musterbeispiel für Professionalität, Mitmenschlichkeit und gute Seemannschaft. Zugleich verwies er auf die Bedeutung funktionierender und korrekt registrierter EPIRBs – ein Punkt, der in diesem Fall buchstäblich lebensrettend war.

Auch die Reederei zeigte sich stolz. Zodiac Maritime, das Managementunternehmen des Tankers, sprach von einer vorbildlichen Leistung unter schwierigen Bedingungen und bekräftigte seinen Anspruch, Verantwortung für jedes Leben auf See zu übernehmen.

Benoit Bourguet bleibt vorerst an Bord der Horten, die ihre Reise zu den Offshore-Anlagen vor Guyana fortsetzt. Über seine Ausschiffung wird derzeit noch beraten.

Es ist eine dieser Geschichten, die zeigen, was Seefahrt im Kern ausmacht: Weit draußen, fernab jeder Küste, gibt es keine Nationalitäten. Es gibt nur Menschen, die einander helfen.

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