05/03/26

Die Kapitänin, die der großen Krise im Irankrieg trotzt

Kapitänin Silke Lehmköster ist die Flottenchefin von Hapag-Lloyd und Leiterin des Krisenstabs in Deutschlands größer Reederei. Ankerherz sprach mit ihr über die Sorgen im Krieg, Proviant und GPS-Störungen in der Straße von Hormuz. Für die Seeleute draußen im Persischen Golf hat ein Nervenspiel begonnen...
Kapitänin Silke Lehmköster, Flottenchefin von Hapag-Lloyd. Foto: HL

Die Welt verfolgt genau, was mit den Kreuzfahrttouristen geschieht, die auf Schiffen in den Häfen des Nahen Ostens festsitzen. Kaum jemand interessiert sich dafür, was Seeleute erleben, die unsere Welt mit Waren und Öl versorgen.

Nach der Drohung eines iranischen Generals, jedes Schiff in Brand zu schießen, das die schmale Meeresenge Straße von Hormus passieren will, sind knapp 4000 Seeleute auf mehr als 200 Frachter im Persischen Golf gefangen. 25 Schiffe von sieben deutschen Reedereien sind darunter, auch einige von Hapag-Lloyd aus Hamburg.

Elf Angriffe, ein toter Seemann

Elf Attacken auf Schiffe wurden in den ersten Kriegstagen gezählt. Ein Seemann kam bislang ums Leben, ein halbes Dutzend wurde verletzt, ein Schiff musste aufgegeben werden.

Ich habe Kapitänin Silke Lehmköster angerufen, 39, Flottenchefin von Deutschlands größter Reederei und Leiterin des Krisenstabs, den der Konzern eingerichtet hat. Mehrmals täglich steht sie im Kontakt mit den Kapitänen vor Ort.

Frau Kapitänin, wie ist die Stimmung auf See?

„Gefasst und professionell“, sagt sie, zugeschaltet aus einem Auto in Dänemark. Trotz der „diffusen Angst“, einem Klima, in dem darum gehe, die Crews beschäftigt zu halten. Decks betreten dürfen die Seeleute nicht, aus Sicherheitsgründen. Auf jedem Schiff gibt es immer etwas zu tun: Entrosten, Malen, Pflege der Laderäume, Arbeiten im Maschinenraum.

Die Navigationsoffiziere sind gehalten, die Kenntnis der „guten, alten Mittel“ aufzufrischen. Warum das? Die Iraner stören das GPS-Signal. Sollte die Straße von Hormus wieder befahrbar sein, steht die nächste Herausforderung bevor: viele Schiffe, Nervosität, enges Fahrwasser. An einigen Stellen ist es nur zwei Seemeilen breit - das ist nicht viel für Großcontainerschiffe.

Doch wann wird es überhaupt so weit sein? Dauert die Blockade Tage? Wochen? Länger?

Treibstoff, Wasser und Proviant der Frachter von Hapag-Lloyd reichen „ohne Problem“ für knapp vier Wochen, erzählt mir Kapitänin Lehmköster. Bereits jetzt sucht man am Hamburger Ballindamm, dem Sitz des Unternehmens, nach Lösungen, sollten die Vorräte knapp werden. 

Planen mit der Ungewissheit...

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