25/05/26

Hamburger Großcontainerfrachter kollidiert auf Nordsee mit Fischkutter

Es grenzt an ein Wunder, dass es nicht zur Katastrophe kam: In der Nacht auf den 21. Mai kollidierte der 24.000-TEU-Containerriese Singapore Express nördlich der Insel Terschelling mit dem britischen Fischereifahrzeug Stella Polaris. Anscheinend wurde aber nur ein Fischer leicht verletzt. (Unser Foto zeigt die Singapore Express gestern im Hafen von Hamburg).
Hamburger Großcontainerfrachter kollidiert auf Nordsee mit Fischkutter

Mit dem Begriff "Wunder" sollte man vorsichtig umgehen, doch hier darf, nein: muss er wohl verwendet werden. Die Singapore Express ist als 24.000-TEU-Schiff, rund 400 Meter lang, 61 Meter breit, vermessen mit 230.000 Bruttoregistertonnen. Die Stella Polaris ist ein 30 Meter langer, 8 Meter breiter Fischkutter. Mit einer Bruttoraumzahl von gerade einmal 224 Tonnen. Größer könnten die Unterschiede nicht sein - und im Falle einer Kollision hat der Kutter nicht den Hauch einer Chance.

Kollision auf der Nordsee

Die Singapore Express hatte am Morgen des 20. Mai den Maasvlakte-Abschnitt des Hafens Rotterdam verlassen und Kurs auf Hamburg genommen. Nachdem das Schiff der Hamburger Traditionsreederei Hapag-Lloyd die Westfriesischen Inseln passiert hatte, fuhr es mit rund sieben bis acht Knoten ostwärts – bis es zur Kreuzungssituation mit der Stella Polaris kam. Das Fischereifahrzeug war mit neun Knoten südwärts unterwegs.

Gegen 01:00 Uhr GMT kollidierten beide Schiffe - belegt durch AIS-Daten des Dienstleisters Pole Star Global - in einer Position nördlich der Insel Terschelling im niederländischen Sektor der Nordsee. Es müssen schreckliche Momente für die Fischer auf dem englischen Kutter gewesen sein.

Kutter wird nach Harlingen geschleppt

Die Folgen des Aufpralls waren für die Stella Polaris schwer. Aufnahmen lokaler Medien, veröffentlicht vom Newsportal Noordernieuws, zeigen einen um mehrere Fuß eingedrückten Ruderstand sowie deutliche Verformungen am Bug. Dass das Fahrzeug danach noch schwamm? Bemerkenswert. Es wurde in den Hafen von Harlingen (Foto) eingeschleppt.

Die Singapore Express verlangsamte nach dem Zusammenstoß kurzzeitig auf zwei Knoten, nahm dann aber wieder Fahrt auf und erreichte Hamburg planmäßig. Schäden am Containerriesen wurden nicht gemeldet. Wir haben das Schiff gestern am Eurogate im Waltershofer Hafen gesehen.

Warum zwei Schiffe auf einer viel befahrenen, mit moderner Navigationstechnik ausgestatteten Route nicht ausgewichen sind, soll eine laufende Untersuchung klären. Welches Schiff ausweichpflichtig war? Warum es nicht reagierte? Die Ermittlungen laufen.

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