01/08/26

Isländische Küstenwache entert Paul-Watson-Schiff „Bandero“

Der Konflikt um Islands Walfang hat sich auf See dramatisch zugespitzt. Die isländische Küstenwache hat gemeinsam mit einer Spezialeinheit der Polizei das Aktionsschiff „Bandero“ der Captain Paul Watson Foundation geentert. Der Kapitän wurde festgenommen und das Schiff nach Reykjavík gebracht. Text: Redaktion. Foto: Icelandic Coast Guard 
Isländische Küstenwache entert Paul-Watson-Schiff „Bandero“

Auslöser war eine Konfrontation mit dem isländischen Walfangschiff „Hvalur 9“. Dessen Besatzung bat die Küstenwache um Hilfe. Die Seeleute erklärten nach Angaben der Behörde, sie fühlten sich durch die herannahende „Bandero“ bedroht. Das rund 65 Meter lange Schiff der Walaktivisten soll innerhalb der isländische Zwölf-Seemeilen-Zone Kurs auf den Walfänger genommen haben.

Die Einsatzzentrale der Küstenwache forderte die „Bandero“ gegen 18 Uhr auf, sofort Islands Hoheitsgewässer zu verlassen. Nach Darstellung der Behörde wurde die Anweisung nicht befolgt. Ein Hubschrauber wurde zum Einsatzort geschickt und wiederholte den Befehl. Ohne Erfolg.

Coast Guard entert Schiff von Walaktivisten

Daraufhin lief das Küstenwachschiff „Freyja“ zu der Position. Der Kapitän der „Bandero“ erhielt nun die Anweisung, die Maschinen zu stoppen. Als auch dieser Befehl nach Angaben der Küstenwache ignoriert wurde, ließ die Einsatzleitung Spezialkräfte einfliegen. Weitere Beamte näherten sich mit schnellen Einsatzbooten und gingen an Bord. Sie verhafteten den Kapitän und übernahmen die Brücke.

Dieses Foto soll den Moment zeigen, als Spezialkräfte die Brücke des Schiffs der Aktivisten enterte. Die Paul Watson Foundation verbreitet es auf ihrer Facebook-Seite.

Die Operation sei in enger Abstimmung mit dem nationalen Polizeipräsidium erfolgt, teilte die Küstenwache mit. Auch das isländische Justizministerium sei während sämtlicher Phasen informiert worden. Der Fall wurde an Polizei und Staatsanwaltschaft übergeben.

Unterschiedliche Darstellungen der Begegnung

Die Captain Paul Watson Foundation schildert den Vorfall anders. Nach ihrer Darstellung hatte die „Bandero“ die „Hvalur 9“ verfolgt und an der Fortsetzung der Waljagd gehindert. Anschließend habe das Walfangschiff die Jagd abgebrochen und Kurs auf seinen Heimathafen genommen.

Die Organisation berichtete zudem von einer Berührung oder Kollision der beiden Schiffe. Die Küstenwache bestätigte zwar, dass sich die „Bandero“ dem Walfänger genähert und versucht habe, dessen Fahrt zu behindern. Die Darstellung einer Kollision bestätigten die Behörden jedoch nicht.

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Die „Bandero“ ist im Rahmen der sogenannten „Operation 86“ vor Island unterwegs. Der Name erinnert an das Jahr 1986, als das weltweite Moratorium der Internationalen Walfangkommission in Kraft trat. Zugleich verweist die Organisation damit auf eine spektakuläre Aktion von Sea Shepherd: Aktivisten drangen damals in eine isländische Walfangstation ein, zerstörten technische Anlagen und versenkten anschließend zwei Walfangschiffe im Hafen von Reykjavík.

„Operation 86“ gegen Islands Walfang

Paul Watson selbst befand sich nicht an Bord. Der Gründer der Stiftung veröffentlichte Videobotschaften und rief seine Unterstützer zur Hilfe auf. Bereits vor Beginn der Mission hatte er gegenüber dem isländischen Rundfunk erklärt, Ziel des Einsatzes sei es, den Walfang zu stoppen – nicht, Besatzungen in Gefahr zu bringen.

Seine Stiftung bezeichnet den isländischen Walfang als illegal und beruft sich auf das Moratorium der Internationalen Walfangkommission. Island trat der Kommission 2002 erneut bei, erklärte dabei jedoch einen Vorbehalt gegen das Moratorium. Das Land legt deshalb eigene Fangquoten fest und meldet seine Fänge an die Kommission. Der Walfang ist international höchst umstritten, ist in Island jedoch auf Grundlage nationaler Genehmigungen erlaubt.

Nicht der erste Zwischenfall der „Bandero“

Bereits Ende März war die „Bandero“ an einer gefährlichen Konfrontation beteiligt. Vor der Antarktischen Halbinsel kollidierte sie mit dem norwegischen Krillfangschiff „Antarctic Sea“. Aufnahmen zeigten, wie das Aktionsschiff langsam auf das Heck des Fischereischiffs zulief und es seitlich traf.

Die norwegische Reederei warf der Stiftung einen gezielten Rammstoß und eine Gefährdung ihrer Besatzung vor. Watson bezeichnete das Manöver dagegen als "kontrollierten, sanften Schubs", bei dem niemand verletzt worden sei..

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