13/09/25

Niederländischer Frachter strandet in kanadischer Arktis

Eisige Kälte, endlose Wildnis, keine Hilfe in Sicht: In einem entlegenen Teil der kanadischen Arktis ist der niederländische Frachter Thamesborg auf Grund gelaufen. Während 15 Crewmitglieder und ein Eislotse an Bord ausharren, kämpfen Retter gegen die Zeit, um das Schiff in einem der gefährlichsten Seegebiete der Welt zu bergen.
Frachter Thamesborg. Foto: Canadian Coastguard

Durch den Klimawandel öffnen sich im hohen Norden Seewege, die früher monatelang von Eis blockiert waren. Die legendäre Nordwestpassage, die Europa mit Asien verbindet, wird für die Schifffahrt immer attraktiver: Die Route spart tausende Seemeilen und damit Zeit und Treibstoff. Doch mit der Chance wachsen auch die Risiken. Denn kommt es zu einer Havarie, wird es kompliziert. Wie ein aktueller Vorfall beweist.

Der niederländische Frachter Thamesborg ist in einem entlegenen Teil der kanadischen Arktis gestrandet. Das Schiff lief im Franklin Strait in Nunavut auf Grund – weit entfernt von größeren Siedlungen, mitten im Niemandsland. Die 174 Meter lange Thamesborg, Baujahr 2013, war unterwegs von China nach Baie-Comeau in Quebec. An Bord: eine Ladung aus Karbonblöcken, die in der Schwerindustrie benötigt werden.

Crew gestrandet – Ballasttanks beschädigt

An Bord befinden sich 15 Crewmitglieder und ein kanadischer Eislotse. Glück im Unglück: Es gab keine Verletzten, und die Brennstofftanks des Schiffes sind offenbar unbeschädigt, sodass keine akute Gefahr für die Umwelt besteht. Doch mehrere Ballasttanks sind leckgeschlagen und nehmen Wasser auf.

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Ein Unterwasser-ROV der kanadischen Küstenwache hat den Rumpf bereits untersucht. Ergebnis: Das Schiff ist stabil, aber schwer beschädigt. Nun beginnt ein komplexer Bergungseinsatz. Spezialisten – ein Bergungsleiter und ein Marinesachverständiger – sind auf dem Weg zur Unfallstelle, unterstützt von den kanadischen Küstenwachschiffen CCGS Sir Wilfrid Laurier und CCGS Jean Goodwill. Sie transportieren Personal und Ausrüstung in das abgelegene Gebiet.

Der Unfall zeigt ein grundlegendes Problem: Nur 18 Prozent der kanadischen Arktisgewässer sind bislang mit moderner Technik kartiert. Große Teile der Nordwestpassage verfügen über veraltete oder unvollständige Seekarten.
Das macht die Navigation in dieser Region riskant – selbst für Schiffe mit Eisklasse wie die Thamesborg.

Zweiter Unfall in kurzer Zeit

Besorgniserregend: Es ist bereits der zweite Vorfall dieser Saison. Erst am 23. August war das kanadische Frachtschiff Rosaire A. Desgagnés in Pelly Bay, südlich der aktuellen Havarie, auf Grund gelaufen. Dieses Schiff konnte allerdings mit der Tide wieder freikommen und wurde später auf Schäden untersucht.

Die Thamesborg sitzt hingegen fest. Während die Crew in der einsamen Arktis ausharrt, arbeiten die Retter fieberhaft an einem Plan, um das Schiff zu bergen – in einer der unzugänglichsten Regionen der Erde...

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